Re: Dringende Anfrage, Antwort asap

Die Standard-Antwort-E-Mail für unbeantwortete E-Mails


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Ihnen sicherlich aufgefallen ist, hat eine Beantwortung Ihrer E-Mail vom xx.xx.xxxx  noch nicht stattgefunden. Daraus eine Geringschätzung Ihrer Person abzuleiten wäre nicht nur ungerechtfertigt; vielmehr scheint mir schon der Respekt zu gebieten, eine überhastete, schludrig zusammengezimmerte Reaktion zu unterlassen.

Bitte seien Sie versichert, dass mir Berechtigung und Dringlichkeit Ihrer Anfrage durchaus bewusst sind, was sich im Übrigen leicht daran ablesen lässt, dass sich Ihr Schreiben trotz verbliebener Restspeichermenge meines IMAP-Accounts im Byte-Bereich noch immer als ungelesen markiert in meiner Inbox befindet.

Gerne weise ich auf mögliche Ursachen dieser Misslichkeit hin (Zutreffendes ist angekreuzt):

[ ] Ihre E-Mail ist im Spam-Filter gelandet.

[x] Ihre E-Mail war nicht innerhalb von 30 Sekunden beantwortbar und wartet auf die Aufarbeitung mehrerer hundert WordPress-, Twitter- und iTunes-Benachrichtigungen.

[x] Ich bin über die ersten Zeilen Ihrer E-Mail noch nicht hinausgekommen, da es mir vernünftiger erschien, mir für die Lektüre Ihres Schreibens angemessen Zeit zu nehmen.

[x] Ich habe bislang keine treffenden Worte gefunden, die Ihrem präzisen, informativen und doch beschwingten Schreibstil annähernd gerecht werden könnten.

[x] Sie haben mich um die Erledigung einer Angelegenheit gebeten, die ich beinahe schon erledigt habe, jedoch spätestens morgen zu Ende erledigen werde, was mir bislang unmöglich gemacht hat, Ihnen die Erledigung der Angelegenheit zu bestätigen.

[x] Sie haben mir eine Frage zu meinem Lieblingsbuch, -musik oder film gestellt. Hier muss eine Antwort genau abgewägt werden, da nicht ausgeschlossen ist,  in zehn Jahren mit einem Wikipediaeintrag konfrontiert zu werden, in dem man als Fan von „Soloalbum“,  Sandra und „Star Wars – Angriff der Klonkrieger“ bloßgestellt wird.

[x] Ich habe mindestens eine Passage Ihrer E-Mail nicht verstanden und feile an einer Formulierung, Ihnen diesen Sachverhalt näher zu bringen, ohne Sie vor den Kopf zu stoßen.

[x] Ich konnte Ihren E-Mail-Anhang/Link nicht mit meinem mobilen Endgerät öffnen, werde dies aber bei nächster Gelegenheit mit meinem Desktopclient nachholen.

[x] Sie haben mir ein Dokument zugeschickt, das ich ausdrucken, ausfüllen und zur Post bringen muss / mich gebeten, irgendwo in meinem Besitz befindliche Unterlagen herauszusuchen und einzuscannen.

[x] Sie haben mir eine Frage gestellt, die zukünftige Planungen betrifft, die von anderen zukünftigen Planungen abhängig sind, deren Planung noch nicht abgeschlossen ist.

Folgende Möglichkeiten zur Abhilfe stehen Ihnen zur Verfügung:

Formulieren Sie Ihre E-Mail in leicht zu beantwortende Ja-/Nein-Fragen um.

Formulieren Sie Ihr Anliegen in 140 Zeichen und senden Sie einen unverbindlichen Tweet an @zeitweise.

Entscheiden Sie selbst und legen Sie mir diese Entscheidung zur Entscheidung vor.

Bieten Sie die Möglichkeit an, ohne Konsequenzen und ohne Angabe von Gründen abzusagen.

Weisen Sie darauf hin, dass es auf korrekte und vollständige Beantwortung Ihrer Fragen nicht unbedingt ankommt und Sie im Zweifelsfall einfach noch einmal Nachhaken werden.

Planen Sie Interviews mit mir per Telefon, Skype oder von Angesicht zu Angesicht und sorgen Sie dafür, dass sie auch stattfinden.

Schicken Sie mir zwei Stunden vor Beginn Ihrer Veranstaltung eine unverbindliche Einladungs-SMS.

Fakt ist:

[x] Die Einladung, auf ihrer Veranstaltung einen Vortrag zu halten, nehme ich gerne an, falls es mir gelingt bis zu Beginn des Redeslots einen selbigen vorzubereiten.

[x] Ich freue mich wirklich außerordentlich über die Geburt/Taufe/Einschulung Ihres Babys und die Einladung zu Geburtstag, Jubiläum und Minigolfabend und wünsche Ihnen von Herzen alles Beste.

[x] Die implizite Antwort auf Ihre nicht beantwortete E-Mail lautet „vielleicht“.

[x] Falls Sie gefragt haben, ob ich ein Abonnement verlängern möchte, lautet die Antwort „nein“.

[x] Ist der genannte Termin bereits verstrichen, versteht sich meine Antwort von selbst. Unbenommen ist die Möglichkeit, die Frist zu verlängern.

[x] Das Kompliment gebe ich gerne zurück.

Mit hochachtungsvollen/freundlichen/besten/lieben Grüßen
Marcel-André Casasola Merkle

P.S. Hiermit weise ich Sie darauf hin, dass mit Öffnen dieser E-Mail alle weiteren Anstrengungen zur Reaktion auf Ihre Ursprungs-Mail eingestellt werden, die Kommunikationspflicht an Sie rückübertragen wird und sämtliche Regressansprüche gegen meine Person verfallen.

P.P.S. Faxen ist auch keine Lösung.


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11 Antworten auf Re: Dringende Anfrage, Antwort asap

  1. Mainboarder sagt:

    Das hab ich mir als Vorlage gespeichert!
    Klasse! Das ist die Lösung für das Email-Problem 😛

  2. Karin sagt:

    Schön gemacht! Bringt mich zum Schmunzeln und meine wartenden Emails zur Verzweiflung…

  3. Pingback: blog.psycho-city.de » Die Kunst der E-Mail-Vermeidung

  4. Jan sagt:

    Jetzt bräuchte man nur noch einen eMail-Filter, der semantisch erkennt, welche die richtigen Antworten für eine unbeantwortete eMail ist und somit selbständig Antworten schreibt.

  5. matthias sagt:

    :-)
    Das wird demnächst meinen Office-Account schmücken (Wenn ich darf?)

  6. T3o sagt:

    Geht’s noch?
    Wenn ihr so „viele“ Nonsensemails bekommt, dass sowas wirklich nötig ist dann hört auf euch mit 5293 FB-Freunden zu schmücken und korrigiert die Zahl eurer Kontakte wieder auf ein ausreichendes und handhabbares Maß. Und Nein, ihr seid nicht so wichtig, dass ihr mehr als ein handhabbares Maß an Kontakten braucht. (Es sei den Ashton Kutcher liest mit, der soll mir egal sein…)
    Und wenn es nur darum geht, dass ihr der Meinung seid Kommunikation muss schneller, persönlicher oder hipper als per EMail und so werdet ihr diese „veraltete“ Medium los….ehrlich das ist so Berlin Mitte, das kann man gar nicht mehr kommentieren. :rolleyes
    Get a life!

  7. Wie geil ist das denn, sehr nett! Shared

    • Sebastian sagt:

      Ist „shared“ jetzt sowas wie ein Kompliment geworden?

      Share es und gut ist. Du musst es wirklich nicht allen erzählen. Ich denke überflüssige Mails beinhalten einen ziemlich guten Anteil solcherlei Informationen wie „Shared“

  8. Pingback: Glanzlichter 68 « … Kaffee bei mir?

  9. Nathalie sagt:

    Hoppla, das ist ja mal eine Reaktion!

    Frech? Ich sehe ich dem Beitrag vor allem eine große Prise Selbstironie. Ich kann mich und meine verflixte Aufschiebeneigung jedenfalls wunderbar darin wiedererkennen. Das Problem sind (bei mir) eben nicht tausende Nonsensemails, sondern einige wenige wichtige Mails, die ich gleich morgen beantworten werde, ehrlich! 😉

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