Piratenpolitik beschäftigt sich mit drängenden Fragen. Wie bewahren wir in Zeiten gefühlter terroristischer Rundumbedrohung unsere Bürgerrechte? Wie vermeiden wir den größten Treppenwitz der Geschichte, dass nämlich die freie Entfaltung der Kunst von der Content-Industrie als Argument herhalten muss, um für Zensur und Überwachung zu werben? Und schließlich: wie stoppen wir das geplante Kaugummiverbot in Zirpelstadt?
Zirpelstadt? Was für ein Blödsinn – existiert ja gar nicht. Und doch habe ich mir erlaubt, am letzten Freitag ein kleines Experiment zu starten, das just die Probleme einer sowohl beschaulichen wie auch fiktiven Kommune thematisiert (siehe unten). Denn Gedankenexperimente sind ein nützliches Mittel, um auf allgemeine Prinzipien zu stoßen. Fragestellung in diesem Fall: Gibt es eine spezielle Herangehensweise der Piraten, Politik zu machen? Wie unterscheiden sie sich dabei von den etablierten Parteien?
Natürlich lässt sich darüber introvertiert im kleinen Kämmerlein philosophieren oder in Endlosthreads auf Mailinglisten und in Foren. Ich habe einen anderen Ansatz gesucht und das Zwiegespräch gewählt. Herausgekommen sind dabei zwei sehr spontane Telefonate mit den Twitternutzern und Piraten @JollyOrc und @Schmidtlepp.
Leider hatten wir beim ersten Telefonat einige technische Probleme, weswegen es davon voraussichtlich nur eine inhaltliche Auswertung geben wird. Das Gespräch mit Christopher Lauer (@Schmidtlepp) konnten wir allerdings komplett aufzeichnen.
Und bitte seid nachsichtig ob der Abschweifungen. Aller Anfang ist schwer. Inhaltliche Kommentare sind dennoch sehr erwünscht.
Die Prämisse
In Zirpelstadt ist der regierende Bürgermeister Hans-Martin Dörrleye (CPU) aufgebracht. Jährlich entstehen der Stadt immense Kosten für die Säuberung des Marktplatzes mit Hochdruckreinigern, weil uneinsichtige Bürger dort ihre Kaugummis auf den Boden spucken. Dörrleye will das Kaugummiausspucken verbieten und setzt eine Strafe von 80 Euro pro Vergehen an. Bei der dritten Übertretung des Spuckverbotes soll ein Platzverweis ausgesprochen werden. Mit Überwachungskameras und verstärkter Polizeipräsenz soll die neue Regelung durchgesetzt werden. Eine kleine, aktive Bürgergruppe unterstützt den Vorstoß mit einer Unterschriftensammlung.



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